An der Sensation vorbeigeschrammt...

Abweichend von den sonstigen beiden Autoren von Mannschaftskampf-Zusammenfassungen, die dieses Mal entweder nicht (Thomas, wegen Krankhheit) beziehungsweise zu spät (Matthias) anwesend waren, habe ich mich dieses Mal dazu entschieden, einen Beitrag auf dieser Seite zu verfassen. Aus zweierlei Gründen: Zum Einen als Selbsttherapie ob des unglücklichen Verlaufes, und zum Anderen als Information für die übrigen Vereinsmitglieder (je nachdem wie viele unter Euch hier regelmäßig die Zusammenfassungen lesen; ich tue es immer ;-) ). Denn höchstwahrscheinlich hatten wir Sonntag die besten Chancen, in ein 4er-Pokal-Halbfinale einzuziehen, seit ich Teil dieses Vereins bin! Und daran bin ich nicht ganz unschuldig...
Es ging gegen den (haus-)hohen Favoriten aus Gerthe-Werne, der, wie zu erwarten, mit einer starken Aufstellung in Form von Vereinsbrettern 1,3,4 und 7 antrat. Bei meiner eigenen Ankunft musste ich feststellen, dass wir ohne Thomas Freisen auskommen mussten. Damit fehlten, neben Günther, nun zwei aus unserer Traumaufstellung 1-4, mit der wir erstmal zu besiegen gewesen wären. So sah ich mich also doch an Brett 1, mit Weiß, gegen Marcel Quast. Ich hatte bereits ein Mal das Vergnügen in der Bochumer Stadtmeisterschaft 2015, in der ich mit Schwarz kurz und schmerzlos in einem sehr theoretischen Morragambit zusammengeschoben wurde. In einer halbwegs ernsten Blitzpartie in 2016 konnte ich ihn jedoch zum Remis halten. Wir alle kochen nur mit Wasser ;-)
 
1.Sf3 f5 2.d3 d6 3.e4 e5 4.Sc3 Sc6 5.exf5 Lxf5 6.d4!
 

Erst 2.d3 und dann doch 6.d4 sieht komisch aus, ist aber im Geiste der Stellung. Schwarz ist leicht geschwächt durch seinen fehlenden f-Bauern und Weiß möchte entsprechend die Stellung öffnen. Hier gibt es viele komplizierte Fortsetzungen...

6...Sxd4 7.Sxd4 exd4 8.Dxd4 Sf6 9.Lg5 Le7

(9...Lxc2 10.Kd2!)

10.Lc4

Erschwert die kurze Rochade enorm.

10...c6 11.0-0-0 d5

12.The1!

Der Entwicklungsvorsprung wird gewaltig. (12...dxc4 funktioniert nicht. 13.Lxf6 oder 13.De5 widerlegt.)

12...0-0 13.De5 Lg4?

Eine sehr komplizierte Stellung für Schwarz. 2 Figuren hängen und es lauern ständig Opfer auf d5. Stockfish gibt Dc8 und die Ausführung der weißen Idee als bestes an.

14.f3 Ld6

Ich hatte mir gedacht, dass 14...Ld6 auf 14.f3 folgen wird, und mir meinen nächsten Zug zurechtgelegt. Ich habe niemals erwartet, dass hier ein Einschlag auf d5 möglich ist, aber (15.Sxd5!! gewinnt die Partie. 15...cxd5 [15...Lxe5 16.Sxf6++ Kh8 17.Txd8 +-] 16.Txd5! und Weiß gewinnt seine Figur zurück und verbleibt mit 2 Mehrbauern.) Ich wage die Aussage, dass ich diese Stellung gewonnen hätte (zumindest locker Remis halten kann), was durch den Verlauf der anderen Bretter gereicht hätte. Es ist zu erwähnen, dass wir diese Varianten selbst in der 15-minütigen Nachanalyse zu dritt nicht gefunden haben... Leider spielte ich

15.Dd4 Lf5

und Weiß hatte kaum noch Vorteil. Im weiteren Verlauf gab ich den Bauern auf h2, jagte einem Geist hinterher und schmiss eine Figur weg.

Von den anderen drei Partien weiss ich nicht viel. Gerd stand mit Schwarz sehr schnell so beengt, dass sein Gegner augenscheinlich leicht alles auf die h-Linie, inklusive dem a1-Turm, bringen konnte, sodass ein Matt nicht mehr zu verhindern war. Peter stand mit schwarz im Spanier okay, bis er plötzlich eine Figur und die Partie gewann. Jürgen spielte passiv mit Weiß, hatte eine recht symmetrische Stellung auf dem Brett. Irgendwo, meine ich, hätte ein gut getimetes e4 eine angenehme Stellung produziert. So spielte er von uns Vieren am längsten, um sich sein Remis zu erkämpfen.

Zusammengefasst: Da haben wir echt was liegen lassen. Beziehungsweise ich. Aber sei's drum. Man lernt immer etwas dazu. Ich denke, dass bald auch so große Fische mit DWZ 2200+ dran glauben werden. ;-)

Christopher Kükenbrink